Schulstreik in Gießen gegen Wehrpflicht

Fotos und Rede von Martina Lennartz, Stadtverordnete und Sprecherin des Friedensnetzwerkes Gießen

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler, liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer, liebe Eltern,

und ich grüße auch alle anderen, die sich hier uns angeschlossen haben.

Es ist großartig, dass ihr alle hier seid, weil man uns jetzt sieht und hört. Und das ist ein wichtiges Zeichen, denn wir haben euch etwas mitzuteilen:

Wir stehen heute hier, weil wieder offen über die Wiedereinführung der Wehrpflicht gesprochen wird. Politiker und Militärs behaupten, sie sei notwendig für „Sicherheit“, für „Verteidigung“ oder für die „Stabilität Europas“. Aber wir müssen uns fragen: Wessen Sicherheit ist damit gemeint? Und wer soll dafür bezahlen?Wir wissen aus der materialistischen Analyse der Gesellschaft: Der Staat ist kein neutrales Organ über den Klassen. Schon Karl Marx und Friedrich Engels erklärten, dass der Staat im Kapitalismus letztlich die Interessen der herrschenden Klasse schützt – der großen Konzerne, Banken und Monopole. Auch das Militär gehört zu diesen Institutionen.Wenn heute von Wehrpflicht gesprochen wird, bedeutet das konkret:

Die Jugend der Arbeiterklasse – IHR- sollt für die Interessen des Kapitals und seiner imperialistischen Politik bereitstehen.Während Konzerne Rekordprofite machen, sollen wir eure Zukunft, eure Gesundheit und im schlimmsten Fall euer Leben riskieren. Während Milliarden in Aufrüstung fließen, fehlen Gelder für Schulen, Wohnungen, Krankenhäuser und öffentliche Infrastruktur. Das ist kein Zufall. Lenin hat den Imperialismus als das höchste Stadium des Kapitalismus beschrieben – eine Phase, in der große Mächte um Märkte, Rohstoffe und Einflusszonen konkurrieren. Aufrüstung und Militarisierung sind kein Betriebsunfall dieses Systems, sondern ein notwendiger Bestandteil davon.Die Wehrpflicht bedeutet daher nicht „Verteidigung der Demokratie“.Sie bedeutet: Militarisierung der Gesellschaft und Disziplinierung der Jugend. Statt euch zu bilden, statt eure Zukunft aufzubauen, sollt ihr lernen zu marschieren,

zu gehorchen und im Zweifel zu töten. Aber wir sagen: Nicht in unserem Namen.

Wir brauchen keine Wehrpflicht.Wir brauchen Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit und internationale Zusammenarbeit der Völker. Wir lassen uns nicht gegeneinander aufhetzen – nicht gegen Jugendliche aus anderen Ländern, nicht gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter anderer Nationen. Unsere Antwort ist proletarischer Internationalismus.Die Jugend der Welt hat nicht das Interesse, sich gegenseitig zu bekämpfen. Unser gemeinsames Interesse ist eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, ohne Krieg und ohne imperialistische Konkurrenz.Darum sagen wir heute klar: Keine Wehrpflicht!Keine Militarisierung der Schulen!Keine Milliarden für Aufrüstung!Stattdessen kämpfen wir für eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen – nicht die Profite der Konzerne.Denn eine Welt ohne Krieg ist möglich. Aber sie wird nicht von Generälen geschaffen –sie wird von den kämpfenden Menschen selbst erkämpft.Danke für eure Aufmerksamkeit!

Martina Lennartz