Wir dokumentieren die Rede von Martina Lennartz – Stadtverordnete und Kandidatin der Bündnisliste GSF (Gießen – sozial und friedenstüchtig) für die Kommunalwahl 2026
Liebe Antifaschistinnen, liebe Antifaschisten, liebe Genossinnen, liebe Genossen, mein Name ist Martina Lennartz. Ich spreche als Stadtverordnete und als Spitzenkandidatin von GSF (Gießen- sozial und friedenstüchtig). Natürlich denken wir auch am heutigen Tag an Ria Deeg. Ich kannte sie persönlich und sie ist mir ein sehr großes Vorbild. Wir kämpfen seit vielen Jahren für eine angemessene Ehrung hier in Gießen- bisher konnten wir den Kampf für eine Stele in der Plockstraße noch nicht gewinnen, aber immer mehr reihen sich in die Forderungen ein. VVN, DGB, DKP, die Omas gegen Rechts, Friedensnetzwerk, das neue Wahlbündnis GSF, im Parlament die SPD, die Gießener Linke und einzelne Grüne, Historiker wie Dieter Bender, Frau Krautheim und viele weitere Einzelpersonen. Wir geben ganz sicher nicht auf.
Ria wäre die erste und einzige Person aus dem Widerstand gegen den Faschismus, die so geehrt würde. Bisher wurden in Gießen ausschließlich Opfer der Faschisten geehrt. Ria war beides: Sie leistete aktiven Widerstand und wurde aus diesem Grund verhaftet. Sie war anschließend aktiv im Wiederaufbau nach 1945, unermüdliche Zeitzeugin, als Friedenkämpferin, tief verankert in der Gießener Zivilgesellschaft ihrer Zeit – bei hoher Akzeptanz ihrer Person über alle Parteigrenzen hinweg. Ria und auch ihr Mann Walter würden besonders heute mahnen, zu erkennen, dass „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ keine bloße moralische Formel ist, sondern eine Handlungsanweisung, eine geschichtliche Verpflichtung der Arbeiterklasse und aller fortschrittlichen Kräfte.
Wir alle hier dürfen heute nicht vergessen, dass diese Losung aus den Erfahrungen der Barbarei des deutschen Imperialismus entstand, der mit der faschistischen Diktatur den Weg zum Zweiten Weltkrieg bereitete. Sie fasst die Lehre aus den Millionen Opfern der faschistischen Terrorherrschaft und des imperialistischenVernichtungskrieges zusammen: Der Krieg ist die Fortsetzung der kapitalistischen Ausbeutung mit militärischen Mitteln, der Faschismus ist ihre politische Form im Inneren.
Und die heute viel verwendete Formel „Nie wieder ist jetzt“ ist eine Verkürzung, eine Entkoppelung, eine Verwaschung der geschichtlichen Verpflichtung. Ria mahnte Zeit ihres Lebens: Wer den Krieg wirklich beseitigen will, muss den Kapitalismus beseitigen. Wer „Nie wieder Faschismus“ ernst meint, muss den Antifaschismus mit dem Kampf gegen den Imperialismus verbinden. Ria hatte genau das erleben müssen, denn kaum hat sie den Faschismus knapp überlebt, ging der Kampf weiter, gegen die Wiederbewaffnung in der BRD und wieder wurden die Kommunisten illegal.
Die KPD wurde 1956 verboten. Weitere Stationen waren der Kampf gegen die Notstandsgesetze, die Berufsverbote und gegen den NATO-Doppelbeschluss. Auch nach der Niederlage des Sozialismus hielt sie an ihren Träumen, wofür die Sowjetunion ursprünglich stand, weiter fest. Rias Leben sperrt sich gegen jede Vereinnahmung durch die Herrschenden. Ria war keine bürgerliche Demokratin, sie war und blieb Kommunistin, nach der KPD in der DKP. In der Form konnte sie kompromissbereit sein, in den Zielen blieb sie unnachgiebig.
Bis zum Ende hielt sie an den Zielen der deutschen Arbeiterbewegung fest: Eine klassenlose Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der der Mensch nicht mehr des Menschen Wolf ist. Eine Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt, gemeinsam die gesellschaftlichen Angelegenheiten organisieren. Eine Gesellschaft, in der die herrschende Klasse endlich zum Teufel gejagt ist. Mit einem Wort eine sozialistische Gesellschaft. „Frieden kann es nur geben, wenn die Macht des Kapitals gebrochen wird.“ In diesem Sinne gedenken wir einer kämpferischen Frau, einer kämpferischen Kommunistin.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!
