GSF Gießen – sozial und friedenstüchtig – Bebauung Klingelbachaue

Stellungnahme des Gießener Wahlbündnisses (GSF) zur geplanten Bebauung in der Klingelbachaue

Ein Investor plant, auf dem Grundstück Hausnummer 24 sowie auf bislang unbebauten und stark begrünten Flächen in der Klingelbachaue fünf Wohnhäuser zu errichten. Das Vorhaben ist umstritten, da sich das Gebiet nach Angaben des Magistrats in einer überregional bedeutsamen Kaltluftleitbahn sowie in einem Hochwasserrisikogebiet und Überschwemmungsgebiet befindet.

Für das Gießener Wahlbündnis (GSF) greift die Diskussion zu kurz, wenn sie sich allein auf die Frage beschränkt, ob dort Platz für fünf Häuser ist. Entscheidend ist die Bedeutung der Fläche für das Stadtklima. Kaltluftleitbahnen, Versickerungsflächen und Hochwasserschutz sind angesichts zunehmender Hitzeperioden und häufiger Starkregenereignisse zentrale Bestandteile einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Der Erhalt solcher Freiräume dient dem Gemeinwohl.

Gleichzeitig braucht Gießen dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Dieser darf jedoch nicht zulasten ökologisch besonders sensibler Flächen geschaffen werden. Vorrang sollten die Nachverdichtung geeigneter Standorte, die Aufstockung bestehender Gebäude, die Umnutzung leerstehender Immobilien sowie der soziale und kommunale Wohnungsbau auf bereits versiegelten oder städtebaulich geeigneten Flächen haben. Wohnungsbau und Klimaanpassung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Das GSF sieht das Vorhaben daher kritisch. Vor einer Bebauung muss wissenschaftlich nachvollziehbar nachgewiesen werden, dass die Kaltluftfunktion, der Hochwasserschutz und die Versickerungsfähigkeit der Fläche nicht erheblich beeinträchtigt werden. Kann dieser Nachweis nicht erbracht werden, überwiegt das öffentliche Interesse am Erhalt der Grünfläche gegenüber privaten Verwertungsinteressen.

Der Wohnungsmangel ist ein ernstes gesellschaftliches Problem. Er rechtfertigt jedoch nicht die Bebauung ökologisch unverzichtbarer Flächen. Gießen braucht eine Boden- und Wohnungspolitik, die bezahlbaren Wohnraum schafft und zugleich Klima-, Natur- und Hochwasserschutz als unverzichtbare Bestandteile kommunaler Daseinsvorsorge versteht.